Buy and Hold - eine Strategie für CFD Trader.

Was ist Buy and Hold?

Ursprünglich war damit das Kaufen und Halten von Aktien gemeint. In dieser Strategie ist dies aber meist ein Rohstoff oder ein Währungspaar. Der Trader geht eine Long oder Short Position ein, die entsprechend dem Swap unabhängig von der Kursveränderung einen täglichen Gewinn ausschüttet.

Vorteile:

  • Geringer Aufwand
  • Kursbeobachtung kaum notwendig
  • Passiver Geldzufluss

Nachteile:

  • Risikoreich
  • Ausstieg ist unklar
  • Nervliche Belastung

Begriffserklärung

CFD - Contracts for Difference - außerbörsliche Finanzprodukte (ähnlich Futures)

Zielgruppe: Trader/Anleger mit geringer bis mittlerer Kontogröße

Commitments of Traders (COT)

  • Commercials - in erster Linie erzeugende, verarbeitende bzw. produzierende Unternehmen (sog. Hedger), die ihre Bestände absichern - Beispiel: Sojabauer
  • Large Speculators - Spekulanten mit Gewinnerzielungsabsicht - Beispiel: Hedgefond
  • Small Speculators - Spekulanten mit Gewinnerzielungsabsicht, jedoch unter der Meldeschwelle (wird berechnet aus der Differenz des Open Interest [alle Future Kontrakte] und den anzeigepflichtigen [Commercials+Large Spec.] Positionen.) - Beispiel: Individueller Trader

Future - In Bezug auf Menge, Qualität und Liefertermin standardisierter Terminkontrakt. Eine Vertragspartei verpflichtet sich hierbei, eine definierte Menge zu einem festgesetzten Preis zu einem bestimmten Zeitpunkt in festgelegter Qualität an einen bestimmten Ort zu liefern. Die andere Vertragspartei verpflichtet sich zur Abnahme. Beispiel: WTI Future, gehandelt an der NYMEX, ermöglicht Preisfindung des Marktes für ein Barrel Öl.

Long - Wette auf steigende Kurse // Short - Wette auf fallende Kurse

Swap - anfallende Gebühren oder Provisionen beim Halten von Positionen

WTI -  Rohölsorte West Texas Intermediate

Wie funktioniert Buy and Hold?

CFD Anbieter bieten meist keine Abbildungen von Future Kontrakten an und geben deshalb die Haltekosten komplett oder teilweise weiter.  Futures verlieren nur wenige Punkte über die komplette Dauer des Kontraktes, aber bei vielen CFD's fallen täglich  Swap Gebühren an.

Die Swap Beträge sind meist negativ (Haltegebühren) aber in manchen Fällen sind diese Positiv. Das hängt bei einem Währungspaar mit den unterschiedlichen Zinssätzen zusammen, die beim Halten der jeweiligen Währung über Nacht anfallen. So entstehen öfters Situationen, in denen Währungspaare oder auch Rohstoffe dem Trader pro Tag einen Gewinn ausschütten.

Wo sehe ich, ob ein Währungspaar oder Rohstoff geeignet ist?

Ersichtlich wird dies im Metatrader in den Kontraktspezifikationen.Unbenannt11

WTI (Öl) von Admiral Markets

Wichtig ist hier der Swap.

♦  Swap Long: -22,01
♦  Swap Short:  12,00

Dies wird in Relation zur eröffneten Positionsgröße (verwendeten Margin) berechnet. Mittwochs würde der Broker einen 3-days Swap berechnen um für das Wochenende zu kompensieren.

Wenn man bei Admiral Markets eine Shortposition auf WTI eingeht, bekommt man also jeden Tag eine Gutschrift auf das Tradingkonto.

Ich soll also einfach eine Short Position eröffnen? Was passiert, wenn WTI steigt?

Diese Strategie soll nur einen geringen Bruchteil von dem Tradingkonto ausmachen, damit keine Gefahr eines Margin Calls besteht, falls WTI steigt. Die Position kann somit weiter Guthaben ansammeln und wird erst nach einem längeren Zeitraum geschlossen und im Idealfall sollte der Ausstiegskurs unter dem Einstiegskurs liegen.

Was gibt es zu beachten?

Die Position sollte also (in diesem Szenario) in einem fallenden Markt oder Seitwärtsmarkt eröffnet werden. Hier lässt sich ein weiteres Mittel geschickt einsetzen, um die Erfolgswahrscheinlichkeit dieser Strategie zu erhöhen.

Hilfsmittel Sentimentanalyse
Sentimentanalyse hilft dabei, die Marktstimmung richtig einzuordnen und sich dementsprechend zu positionieren.

Genauer betrachten sollte man hier vor allem die COT (Commitment of Traders) Daten aus den USA. Diese geben Auskunft über die großen Player am Markt und bieten so eine Möglichkeit, die zukünftigen Marktbewegungen besser einschätzen zu können.

Die Daten sagen aus, wie die großen Händlergruppen (Commercials, Large oder Small Speculators) positioniert sind, sprich Long bzw. Short im Markt. Deren Futurekontrakte haben die Kurse bereits bewegt und geben meist ein Indiz, ob ein Kurs von technischer Seite überkauft oder überverkauft ist.

In diesem Fall (WTI Short) wäre der richtige Ansatz nach Situationen zu suchen, in denen die Commercials extrem Short sind und die großen und kleinen Spekulanten Long positioniert sind. In dem nachfolgenden Bild ist erkenntlich, dass jedes mal wenn die Commericals extrem Short waren und die Spekulanten wie Hedgefonds Long positioniert waren, es meist eine Seitwärtsphase oder Schwächephase des Öl-Preises gab.cot8

COT Daten für Crude Oil (WTI) von cotbase.com

Diese COT-Daten werden jede Woche freitags um 15.30 Uhr (Eastern Time) bzw. 21:30 Uhr (MEZ) auf der Website der CFTC neu veröffentlicht.

Wer noch etwas mehr über COT erfahren möchte, findet auf Godmode einen guten Artikel.

Vereinfacht gesagt - Wer soll noch kaufen, wenn schon alle gekauft haben?
Wer soll noch verkaufen, wenn schon alle verkauft haben?
So kann man mithilfe des COT Reports einen Zeitpunkt finden, der optimal für diese Strategie ist.

Dies funktioniert auch in anderen Fällen.GBPAUD

GBP/AUD von Admiral Markets

GBPCHF

GBP/CHF von Admiral Markets

Nimmt man sich zum Beispiel eine Währung wie Pfund und würde diese gerne handeln bzw. halten, dann sucht man die verschiedenen Währungspaare mit Pfund ab und findet als Beispiel - GBP/AUD und GBP/CHF

Wenn man davon ausgeht, dass das Pfund eher steigt oder sich seitwärts bewegt, würde man eine GBP/CHF Long Position eingehen.

Wenn man davon ausgeht, dass das Pfund eher fällt oder sich seitwärts bewegt, würde man eine GBP/AUD Short Position eingehen.

Achtung: Die Positionsgröße MUSS zwingend so gewählt werden, dass Toleranz für weiter steigende/fallende Kurse vorhanden ist.

Diese Strategie ist tendenziell eher für größere Konten geeignet.

Warum man eine kleine Positionsgröße nehmen sollte, wird hier ersichtlich.

COT-GBP

Quelle:cotbase.com

Falls man eine Long GBP/CHF Position kurz nach dem Brexit eingegangen wäre, würde die Position einige Monate im Minus tendieren, bevor diese wieder ins Plus dreht. Im Grunde ist es jedoch unerheblich, ob der Kurs seitwärts tendiert oder deutlich gegen die Position läuft, weil die Position gehalten werden soll. Jedoch sollte man aufpassen, dass man nicht in Gefahr eines Margin Calls gerät. Auch bei dieser Strategie wird man selten den perfekten Einstieg erwischen, deshalb sollte man bereit sein, eine hohe Toleranz für negative Kursentwicklungen zu haben.

Achtung: Die Rahmenbedingungen, also der Swap, können sich ändern (durch wechselnde Gegebenheiten - z.B. andere Notenbankpolitik).

Wann steige ich aus?

Der Ausstieg muss individuell festgelegt werden, entweder durch geänderte Rahmenbedinungen, eine Verlustbegrenzung (falls der Einstieg falsch gewählt war) oder eine lange Haltedauer gekoppelt an ein positives Ergebnis. Idealszenario wäre eine lange Haltedauer gekoppelt an eine positive Kursentwicklung.

Geht die Strategie auch bei meinem Broker?

Unterschiedliche Broker haben unterschiedliche Haltekosten. Es ist möglich, dass ein Broker Geld täglich ausschüttet und ein anderer Geld einzieht. Als Beispiel wird hier WTI von JFD Brokers genutzt. Dort sind die Haltekosten für WTI negativ und würden somit nicht für diese Strategie geeignet sein.WTICrude15

WTI (Öl) von JFD Brokers

Hier gibt es keine andere Möglichkeit als einen anderen Broker zu nutzen.
Ein Brokervergleich lohnt sich unter Umständen. Und gegenenfalls sind auch weitere Anmeldungen bei unterschiedlichen Brokern sinnvoll.

 

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