Verfallstage von Optionen

Verfallstag & Hexensabbat - Ein Blick ins Innere der Märkte

1. Einführung in die Thematik

Verfallstage bezeichnen das Auslaufen von Optionen oder Futures am Terminmarkt. In dieser Strategie soll hauptsächlich der Verfall für den DAX betrachtet werden. (Optionen verfallen zum Beispiel auch für Aktien)

Es gibt kleine Verfallstage und große Verfallstage (Hexensabbat)

Der kleine Verfall ist immer der Tag, der auf den dritten Freitag jedes Monats (an Feiertagen auf den davor liegenden Börsentag) fällt.
Der Große Verfall ist am dritten Freitag des dritten Monats eines Quartals.

An dem Großen Verfall, kommt es an allen wichtigen Börsen der Welt zum Settlement der Optionen bzw. Futures. An diesen Verfallstagen laufen an der Terminbörse Eurex die Terminkontrakte aus:

Wann ist das Settlement beim Verfallstag?

DAX, TecDAX jeweils um 13:00 Uhr, MDAX um 13:05 Uhr (XETRA-Mittagsauktion)
Aktien um 17:30 Uhr (Beginn XETRA-Schlussauktion)

Settlement (price) bedeutet, dass zu den genannten Zeiten die Abrechnungspreise festgestellt werden, anhand derer die Optionen und Futures bewertet werden . 

 

Beispiel

Beispiel: Für DAX-Futures (FDAX) und DAX-Optionen (ODAX) bedeutet das, dass um 13:00 Uhr der DAX-Kursstand von der Börse ermittelt wird und dieser damit das offizielle Maß für alle an diesem Tag auslaufenden Terminkontrakte auf den DAX ist. Für den FDAX wird vor dem Verfall täglich um 17:30 ein Settlement price ermittelt. Die Differenz zwischen dem DAX-Kurs um 13:00 Uhr und dem Vortages-Settlement des FDAX um 17:30 Uhr wird je nach DAX-Kursstand gutgeschrieben oder belastet. Wurde der Kontrakt am Tage des Verfalls eröffnet, tritt der Einstandskurs anstelle des Vortages-Settlements.

Beim ODAX sieht die Abwicklung anders aus. Hier existieren - im Gegensatz zum FDAX - verschiedene Basispreise, zu denen die Optionen ausgeübt werden können. Zwar erfolgt auch hier ein tägliches Settlement, aber die Differenz berechnet sich bei Kaufoptionen aus DAX-Kurs abzüglich Basispreis und bei Verkaufsoptionen umgekehrt aus Basispreis abzüglich DAX-Kurs. Hierbei werden – wiederum im Gegensatz zum FDAX – nur positive Differenzen berücksichtigt. Sollte bspw. bei einer Kaufoption der Basispreis über dem DAX-Kurs liegen, verfällt diese einfach wertlos.
Quelle:wikipedia

Was ist die Voraussetzung für die Strategie?

Es gibt weitere wichtige Begriffe. Hierdurch wird die Strategie ermöglicht.

Open Interest bezeichnet die Summe der offenen Positionen in einem Termin- oder Optionskontrakt. Man könnte es mit dem Volumen vergleichen. Wenn das Open Interest steigt, sind in der Regel mehr Investoren im Markt involviert.

Stillhalter bezeichnet eine Person, die gegen eine Prämie eine Option emittiert bzw. verkauft um als Gegenpart zu dem Optionskäufer zu wirken. (Ein Käufer braucht ein Verkäufer auch bei Optionen)
Diese Person wird vorallem deshalb Stillhalter genannt, weil sie bis zum Cash Settlement der (europäischen) Option die Position nicht auflösen kann. Da Stillhalter meist Institutionelle sind, ergeben sich daraus Interessante Konsequenzen. Stillhalter haben nämlich ein Interesse, dass die Option wertlos (außerhalb des Geldes) verfällt. Dies passiert wenn der Abrechnungskurs des DAX über oder unter dem gewählten Niveau der Option liegt. (Siehe Beispiel oben) Folge hiervon ist der sog. Max Pain.

Max Pain bezeichnet die größt möglichen Verluste für die Käufer von Optionen. Im Umkehrschluss würden hier die Stillhalter am meisten gewinnen, wenn der Kurs zum Settlement in der Nähe des Max Pain Wertes liegt. Stillhalter müssten somit am wenigsten ausschütten und könnten somit den Großteil der Prämie behalten.

Der Max Pain Kurs beträgt hier genau die Mitte zwischen den Call oder Put Optionen die im Geld wären. Es sind bei dem Wert die wenigsten Put oder Call Optionen von einer Auszahlung betroffen.
Put(Rot) und Call(Blau) verändern sich zu jedem Verfallstag und auch mittelfristig und kurzfristig vor dem nächsten Verfall.

2. Wie sieht die Strategie aus?

Der Ansatz

Die Logik ist simple: Der Stillhalter will den Kurs erreichen an dem er die höchste Prämie ausgezahlt bekommt. Er versucht die Kurse dort hin zu treiben und hier könnte der Privatanleger spekulieren, dass dieser Fall eintrifft. Der Grund warum dies öfters eintrifft ist, dass die zwei Lager (Bullen/Bären) jeweils Unterstützung durch die Stillhalter bekommen, wenn der Kurs unter oder oberhalb des Max Pains liegt. Unterhalb des Max Pains, kauft der Stillhalter um die Kurse zu pushen. Wenn der Kurs sich oberhalb des Max Pains befindet, verkauft der Stillhalter zusammen mit den Bären, um die Kurse zu senken. Sobald der Kurs auf der Höhe des Max Pains liegt, versucht der Stillhalter den Kurs nicht abrutschen oder steigen zu lassen.

Beispiel: Der Kurs des DAX steht am Mittwoch bei 10200 und der Max Pain liegt bei 10350. Hier werden die Stilhalter versuchen den Kurs des DAX auf die 10350 bis Freitag zum Settlement zu treiben.

Wie finde ich den Max Pain?

Die Quintessenz dieser Strategie ist die Positionierung der Marktteilnehmer und deshalb sollte man den Max Pain kennen. Hier helfen Tools wie das Verfallsdiagramm (siehe oben). Das zeigt in einer anschaulichen Grafik, wie das derzeitige Open Interest aussieht.

Stockstreet bereitet die Daten der EUREX auf und ermöglicht so, das Diagram. 
Zum Open Interest Diagramm.

Große Positionen wirken am Verfallstag als Barriere oder Anziehungspunkt

Im Open Interest Diagramm sieht man ebenfalls einzelne große Call oder Put Postionen der Marktteilnehmer. Hier wollen die Besitzer der Positionen den Kurs dorthin treiben und Stillhalter wollen dies selbstverständlich verhindern. Es kann somit zu großer Volatilität kommen (besonders am Verfallstag)

3. Worauf sollte ich achten?

Man man braucht Erfahrung, das Diagramm richtig zu interpretieren. Es gibt selbstverständlich auch Fälle, in denen keine saubere Analysen möglich ist. Man sollte die Verfallstagsanalysen als Hilfsmittel sehen und mit anderen Analysen kombinieren.

Es gibt nämlich den Fall, dass es kritisch für die Stillhalter wird. Dies ist der Fall, wenn es zu unerwartet starken Kursbewegungen des DAX vor dem Verfallstag kommt. Hier laufen Positionen ins Geld, bei denen es vorher noch sehr unwahrscheinlich war.

In diesem Fall werden die Stillhalter anfangen, sich abzusichern (hedgen). Das verstärkt die anhaltende Kursbewegung meist.

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